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Forschung für Soldaten? (Foto: AP)
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Carl von Ossietzky war ein
standhafter Mann mit unbeugsamen Prinzipien. Als Mitinitiator der
Friedensbewegung "Nie wieder Krieg!" setzte sich der spätere
Friedensnobelpreisträger für den Pazifismus ein, wo immer es ging. Zu seinem
Gedächtnis hat sich deshalb die Universität Oldenburg nach ihm benannt und in
ihrer Satzung auch gleich festgeschrieben, dass Militärforschung an ihrer
Hochschule nichts verloren hat. Anfang dieser Woche nahmen jedoch
Wissenschaftler der Carl von Ossietzky Universität im benachbarten
Delmenhorst an einer Tagung zu Hörgeräten teil, die als Sponsoren von US Air
Force, US Navy und der US Army unterstützt wurde.
Um es vorwegzunehmen: Amerikanische Soldaten sind weder schwerhörig noch
befürchten Pentagon-Planer, dass ihre GIs demnächst taub über die
Schlachtfelder laufen. Grund für den geballten Sponsoring-Einsatz immerhin
aller drei Teilstreitkräfte des US-Militärs für diese mit 55 Teilnehmern
kleine Konferenz liegt an anderer Stelle.
Die Förderung einer Tagung durch Forschungsförderungsinstitutionen
der verschiedenen militärischen Organisationen, zum Beispiel der NATO oder
den verschiedenen Organisationen der US Army, die sind primär dazu da,
Tagungen zu finanzieren, an denen US-amerikanische Wissenschaftler
teilnehmen, die ihre Unterstützungen von diesen Organisationen bekommen.
Sagt Professor Birger Kollmeier, Leiter des Hörzentrums der Carl von
Ossietzky Universität und Teilnehmer der Tagung. Das US-Militär fördert
Konferenzen, an denen US-Wissenschaftler teilnehmen, die auf militärisch
interessanten Feldern forschern. In Delmenhorst geht es dabei weniger um
Hörgeräte, im Mittelpunkt stehen Spracherkennungssysteme, damit zum Beispiel
Kampfpiloten ihre Befehle nur noch in ein Mikrophon sprechen müssen. In den
Hightech-Kriegen Afghanistans und Iraks ist das ein hochbrisantes Thema!
Genau genommen liefert Birger Kollmeier von der Oldenburger
Friedens-Universität also Forschungsergebnisse für militärische Anwendungen -
was er aber so nicht sieht:
Zum einen ist dies keine Veranstaltung der Universität
Oldenburg, sondern eine Veranstaltung des Hanse-Wissenschaftskollegs, die
organisiert wurde von einem englischen Kollegen, und es gab deshalb keine
Notwendigkeit, sich hier in irgendeiner Weise mit der Universität Oldenburg
Organisationen zu besprechen.
Das ist zumindest fragwürdig, denn in der Grundordnung der Carl von Ossietzky
Universität vom 15.10.1997 legt Paragraph 13 fest:
Alle an Forschung und Lehre beteiligten Mitglieder und
Angehörige der Universität haben die Folgen wissenschaftlicher Erkenntnisse
zu bedenken. Werden ihnen Ergebnisse der Forschung vor allem an der
Universität oder in ihrem Fachgebiet bekannt, die bei verantwortungsloser
Verwendung erhebliche Gefahren für die Gesundheit, das Leben oder das
friedliche Zusammenleben des Menschen herbeiführen können, sollen sie eine
ständige Kommission des Senats unterrichten.
Nun liegt es auf der Hand, dass Gesundheit, Leben und friedliches
Zusammenleben erheblich gefährdet sind, wenn etwa ein Jetpilot seine
Bombenabwürfe demnächst per Sprachbefehl einleitet. So eng möchte Professor
Birger Kollmeier das Problem aber nicht ausgelegt sehen.
Zum anderen ist es so, dass die Forschung hier
öffentlich ist und dass es auch nicht abzusehen ist, ob es in irgendeiner
Weise neben dem vorwiegend öffentlichen Nutzen zum Beispiel im Medizinbereich
auch einen Nutzen im militärischen Bereich geben wird.
Was auch fragwürdig ist: Was will Hörgeräte-Entwickler Birger Kollmeier denn
machen, wenn sich nachträglich heraus stellt, dass seine Ideen doch militärischen
Nutzen haben?
Der aktuelle Fall um die Delmenhorster Tagung macht ein Grundproblem der
Forschungsförderung deutlich: Neben der eindeutig definierten
Militärforschung gibt es ein breites Feld wissenschaftlicher Aktivitäten, die
beides sein können: Dem Frieden und dem Krieg verpflichtet. Mit
Spracherkennungssystemen lassen sich Hörgeräte bauen und Bomben abwerfen.
Eine Grauzone, in die sich die Carl von Ossietzky Universität hinein
manövriert hat.
Entscheidend ist, dass wir als Carl von Ossietzky
Universität eine besondere Verpflichtung haben, nicht im Auftrag des Militärs
und keinesfalls im nicht publizierten Bereich tätig zu sein.
Forschungsergebnisse, die an der Universität Oldenburg entwickelt werden,
werden publiziert und es findet keine Auftragsforschung für das Militär
statt.
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